— Warum es uns gibt

Im Herbst 2021 stand ich das erste Mal auf der Fläche in Stockelsdorf. 13,5 Hektar junger Laubwald, Ende der Neunziger aufgeforstet, seither weitgehend sich selbst überlassen — und gerade deshalb in erstaunlich gutem Zustand. Auf dem Rückweg war die Frage da, die mich nicht mehr losgelassen hat: Warum gehört so etwas eigentlich immer denen, die es am wenigsten in Ruhe lassen?

Ich glaube nicht, dass Wald ein Produkt ist. Ich glaube, dass er eine Aufgabe ist — eine, die länger dauert als ein Berufsleben und die man deshalb nicht allein anfangen sollte. Das Lübecker Modell hat mich überzeugt, weil es kein Versprechen macht, sondern einen Verzicht: so wenig eingreifen wie möglich, und das Wenige richtig.

Aus der Frage von damals ist eine Gesellschaft geworden, aus einer Fläche sind drei. Wenn Sie diese Seite zu Ende lesen und denken: so hätte ich es auch aufgeschrieben — dann sollten wir miteinander sprechen.

Dr. Matthias v. Bodecker, Geschäftsführer

Das Lübecker Modell

Vier Grundsätze

Entwickelt im Stadtwald Lübeck, im Austausch mit Wissenschaft und Praxis. Unser waldbauliches Konzept übernimmt sie wörtlich.

  1. Grundsatz 1

    „Es soll möglichst wenig in die natürlichen Prozesse des Waldes eingegriffen werden."

    Wir pflanzen nicht, wo der Wald sich selbst verjüngt. Eingriffe folgen dem Minimum-Prinzip — nur dann, wenn nicht-heimische oder qualitativ schlechte Bäume gute, heimische bedrängen.

  2. Grundsatz 2

    „Die Natürliche Waldgesellschaft ist langfristig die risikoärmste und produktivste Erscheinungsform des Waldes."

    Was sich an einem Standort ohne menschlichen Einfluss durchgesetzt hätte, ist dort auch am widerstandsfähigsten. Deshalb fördern wir diese Arten — und keine Plantagen.

  3. Grundsatz 3

    „Die Leistungs- und Wirtschaftsziele müssen „angemessen" und nicht „maximal" formuliert sein."

    Ein Ökosystem, das auf Maximalertrag getrimmt wird, verlässt sein ökologisches Optimum. Wir formulieren Ziele so, dass der Wald sie tragen kann — über Generationen.

  4. Grundsatz 4

    „Das wirtschaftliche Ziel erreicht das Konzept mit der Verwertung weniger Bäume mit maximaler Wertschöpfung."

    Nicht die Menge des geernteten Holzes zählt, sondern sein Wert. Wenige, sehr gute Stämme statt vieler mittelmäßiger — das ist der ökonomische Kern des Lübecker Modells.

Das Register

Was wir unterlassen

  1. I Keine Kahlschläge
  2. II Kein aktives Anlegen von Monokulturen
  3. III Keine Ansiedlung von nichtheimischen Baumarten
  4. IV Keine Gifte — keine Insektizide, Rodentizide oder sonstige Pflanzenschutzmittel
  5. V Keine Verwendung von Mineraldünger oder Gülle
  6. VI Keine Bearbeitung oder Verdichtung des Bodens außerhalb der Rückegassen
  7. VII Kein Harvestereinsatz
  8. VIII Kein flächiges Abräumen oder Verbrennen von Biomasse
  9. IX Keine Eingriffe in den Bodenwasserhaushalt
  10. X Holzeinschlag nur vom 15. August bis zum 31. März
  11. XI Kein Füttern von Wildtieren

Diese Liste ist unser waldbauliches Konzept in seiner kürzesten Form.

Das vollständige Konzept (PDF)

Der Rhythmus

Das Waldjahr

JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Erntezeit · 15. August – 31. März Der Wald bleibt ungestört · April – Mitte August

Störende Arbeiten während ökologisch sensibler Jahreszeiten vermeiden wir grundsätzlich — Holzeinschlag findet nur vom 15. August bis zum 31. März statt. Befahren wird der Wald ausschließlich auf markierten Rückegassen mit einem Mindestabstand von 40 Metern.

Wo es geht, ziehen Pferde das Holz aus dem Bestand — kein Harvester.

Fällarbeiten erfolgen ausschließlich durch gut ausgebildete Experten, mit speziell entwickelten Waldmaschinen und naturverträglichen Materialien.

Die Natürliche Waldgesellschaft

Neun Arten, die hierher gehören

Gefördert wird, was sich ohne menschlichen Einfluss von Natur aus durchgesetzt hätte — vor allem durch Naturverjüngung Selbsttätige Erneuerung des Waldbestands durch Samenflug und Sämlinge der vorhandenen Bäume — ohne pflanzerische Eingriffe. aus den Samen vorhandener Bäume, auf dem Weg zur stabilen Klimaxgesellschaft Die stabilste Pflanzengesellschaft, die sich unter gegebenen klimatischen und Boden-Bedingungen langfristig selbst erhält — im mitteleuropäischen Tiefland meist ein Buchenmischwald. .

  • Buche

    Die Leitart der norddeutschen Tiefebene — Schattbaum, Bodenverbesserer.

  • Esche

    Gefiedertes Laub, liebt frische Böden — trotz Eschentriebsterben gefördert.

  • Ahorn

    Fünf Lappen, schnelle Jugend — füllt Lücken, die Stürme reißen.

  • Hainbuche

    Zäh und schnittfest — hält als Zwischenschicht den Bestand kühl.

  • Ulme

    Asymmetrisches Blatt, seltener Schatz — jede vitale Ulme zählt.

  • Wildobst

    Wildapfel, Wildbirne, Vogelkirsche — Blüten für Insekten, Frucht fürs Wild.

  • Birke

    Die Pionierin — besiedelt offene Flächen zuerst und bereitet den Boden.

  • Eiche

    Buchtiges Blatt, tiefe Wurzel — trägt mehr Arten als jeder andere Baum.

  • Roterle

    Steht, wo es nass ist — bindet Stickstoff und sichert die Bachränder.

Nicht gefördert, aber nicht bekämpft: Fichte, Lärche, Douglasie, Roteiche.

Wer uns begleitet

Der Pate und das Netz

Knut Sturm
Ehemaliger Forstamtsleiter des Lübecker Stadtwaldes, Pate der Waldfreunde. Unser waldbauliches Konzept ist gemeinsam mit ihm entstanden.
Naturwald Akademie gGmbH
Begleitet ökologische Waldentwicklung wissenschaftlich und gibt Waldbesitzer:innen Orientierung für einen widerstandsfähigen, natürlichen Wald.
Wald-Allianz
Erarbeitet ein ökosystembasiertes Waldentwicklungskonzept, das in Partnerwäldern erprobt wird. Wir werden Mitglied — ein lernendes Netzwerk.
Zum Weiterlesen
Martin Levin: „Der ungezähmte Wald", EDEL Books 2023.

Wie das im Bestand aussieht →

Zu unseren drei Wäldern