Hintergrund

Warum Waldfreunde?

Die Idee entstand nicht am Schreibtisch. Wir haben gesehen, was mit den Wäldern passiert — und beschlossen, selbst etwas zu kaufen.

Fast ein Drittel der deutschen Waldfläche gilt heute als deutlich geschädigt. Käferaggression, Trockenstress, Windwurf — die sichtbaren Symptome eines strukturellen Problems: Jahrzehnte Forstwirtschaft, die Ertrag vor Ökologie gestellt hat. Fichtenreinbestände, die bei Trockenheit kollabieren. Böden, die verdichtet sind. Bestände ohne Mischung, ohne Resilienz.

Wir glauben, dass es möglich ist, anders vorzugehen: Flächen kaufen, sie nach erprobten, ökologisch fundierten Grundsätzen entwickeln — und dabei wirtschaftlich denken. Der Wald als langfristige Gemeinschaft, nicht als Lieferkette. Das Lübecker Modell zeigt seit Jahrzehnten, dass das geht.

In Zahlen

Was wir bisher aufgebaut haben

Waldfläche

in drei Standorten, Norddeutschland

Standorte

Stockelsdorf · Kirch-Jesar · Alt-Zachun/Hoort

Mindestbeteiligung

als Kommanditist:in — einmalig, langfristig

Erste Fläche

seitdem kontinuierlicher Aufbau

Aktionstage auf unseren Flächen: bisher {TODO Sebi} Veranstaltungen für Kommanditist:innen und Unternehmenspartner.

Kontext

Globaler Klimawandel

Der Waldzustandsbericht 2023 zeigt: Über 80 Prozent der deutschen Wälder weisen deutliche Schäden auf. Hitzesommer und anhaltende Dürre setzen vor allem Fichten und Kiefern zu — Baumarten, die in vielen Regionen eigentlich nicht standortgerecht sind, aber schnell wuchsen und leicht zu ernten waren.

Was ertragreich aussah, erweist sich als fragil. Monokulturen haben keine Resilienz. Wenn eine Baumart unter Stress gerät, gibt es keine zweite, die einspringt. Käfer finden optimale Brutbedingungen in geschwächten Beständen. Windwurf räumt ganze Hanglagen ab, weil die Schutzfunktion der Mischung fehlt.

„Ein Wald, der nur aus einer Baumart besteht, ist kein Wald. Er ist eine Fabrik."

Knut Sturm, forstliches Vorbild des Lübecker Modells

Naturnahe Waldwirtschaft ist keine Romantik. Sie ist eine ökologisch und ökonomisch überlegene Strategie — wenn man den Horizont weit genug zieht. Wälder, die aus standortgerechten Mischungen bestehen, sind widerstandsfähiger, produzieren hochwertiges Holz über Generationen und erfüllen dabei Klimaschutz-, Wasser- und Erholungsfunktionen. Das ist es, wofür wir arbeiten.

Forstliches Vorbild

Das Lübecker Modell

Der Stadtwald Lübeck wird seit den 1990er-Jahren nach den Grundsätzen naturnaher Dauerwaldwirtschaft bewirtschaftet — und gilt heute als das meistzitierte Beispiel für ökologisch und ökonomisch gelungene Forstwirtschaft in Deutschland.

Die vier Grundsätze

  1. Dauerwald

    Kein Kahlschlag. Der Wald bleibt als Wald — einzelne Bäume oder kleine Gruppen werden entnommen, die Fläche nie vollständig freigestellt. Das erhält Bodenstruktur, Mikroklima und natürliche Verjüngung.

  2. Naturverjüngung

    Was am Standort aufgeht, wird gefördert. Setzlinge werden nur ergänzend eingebracht, wenn die natürliche Verjüngung fehlt — und dann standortgerecht und mit regionalem Saatgut.

  3. Mischwald

    Strukturreichtum ist das Ziel: verschiedene Baumarten, verschiedene Altersklassen, verschiedene Wuchshöhen. Der Wald als komplexes System, nicht als vereinfachte Produktion.

  4. Totholzerhalt

    Stehendes und liegendes Totholz bleibt im Bestand. Es ist Lebensraum für Insekten, Pilze und Höhlenbrüter — und langfristig Humuslieferant für den Boden.

Was wir nicht machen

  • Keine Kahlschläge
  • Kein Mineraldünger
  • Keine chemischen Pflanzenschutzmittel
  • Keine Fichtenreinbestände
  • Kein schweres Gerät auf nassen Böden
  • Keine extern gesteuerte Baumartenwahl

Quelle: Waldbauliches Konzept der Waldfreunde 2025, erarbeitet gemeinsam mit Knut Sturm.

Case Study

Ein Wald, der mit uns wächst.

Die HPM Handwerksgruppe Philip Mecklenburg hat sich 2024 an der Waldfreunde GmbH & Co. KG beteiligt. Für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit eines Mitarbeitenden wurde ein Quadratmeter Wald erworben. So sind 36.359 m² zusammengekommen — mehr als fünf Fußballfelder, rund 10.200 Bäume.

Das Modell ist übertragbar. Jedes Unternehmen, das Betriebsjahre, Jubiläen oder CSRD-Ziele mit einem greifbaren Naturprojekt verbinden möchte, kann auf dieselbe Weise vorgehen: Ein Quadratmeter pro Mitarbeiter:in und Betriebsjahr — oder ein anderer Schlüssel, der zur Unternehmenskultur passt. Die Fläche ist real, der Wald wächst, die Bindung entsteht.

Beteiligung HPM

erworbene Waldfläche

Bäume

aus natürlicher Verjüngung

Fußballfelder

Flächenäquivalent

Modell: 1 m² pro Mitarbeiter:in pro Betriebsjahr

HPM Handwerksgruppe Philip Mecklenburg

Wer wir sind

Die Menschen hinter den Waldfreunden